brasilandhi

Monday, October 30, 2006

Futurismus inmitten von Viehherden


Mein einziger innerbrasilianischer Flug war dann von Porto Seguro nach Brasília - erstens um Zeit zu sparen, zweitens weil es ein unverschämt günstiges Angebot gab und drittens, weil der Blick auf Brasília aus dem Flugzeug recht beeindruckend sein sollte. Leider lag ein dichter Dunstschleier über der Stadt, sodass ich z.B. die Flugzeugform der Innenstadt überhaupt nicht entdecken konnte. In dem nebenstehenden Foto ist das allerdings gut möglich, also versucht mal euer Glück.

Brasília wurde in den 50er Jahren als neue Hauptstadt exakt im Zentrum des Landes gebaut, inmitten einer Region von riesigen Viehfarmen. Dabei wurde nicht nur die Allee der Ministerien und all die anderen Regierungsgebäude, sondern der komplette Grundriss der Stadt inklusive aller Wohn- und Geschäftsviertel von Oscar Niemeyer und Lúcio Costa unter Berücksichtigung von Ideen Le Corbusiers entworfen. Das Rückenmark der futuristischen Stadt bildet eine zwölfspurige Strasse mit einem fast einen Kilometer breiten Grünstreifen in der Mitte.

Digitale Stadtpläne - Do-It-Yourself

Als ich den nett gemachten Touristen-Stadtplan am Busbahnhof von Porto Seguro sah, kam mir eine gute Idee. Mit meinem tollen Handy (aka mein erbärmlicher Digitalkameraersatz) könnte ich in jeder Stadt ein Foto eines derartigen Plans schiessen, wenn ich ankomme. Da ich in den gespeicherten Bildern herumzoomen kann, kann ich den Plan dann jederzeit als Orientierungshilfe heranziehen. Das hat soweit ganz gut geklappt, nur hab ich die Hilfe immer nur dann gebraucht, wenn ich keinen Stadtplan gefunden hatte oder mein Handy grade mal wieder leer war.

Ein sicherer Hafen

In Porto Seguro landeten am 22. April 1500 unter Kapitän Cabral die Portugiesen erstmals, um auch ein Stück der neuen Welt an sich zu reissen. Heutzutage landen dort hauptsächlich Abschlussklassen der brasilianischen Schulen aus dem reichen Süden, um an den Stränden von Arraial d'Ajuda und in richtiggehenden Partyfestungen (Alcatraz <-- sehr lustig), -burgen und -inseln die Sau rauszulassen.

Angelockt von der Formulierung "musica eletrónica" habe ich mich in der Hoffnung auf einen Hauch Ibiza zur Partyinsel Ilha dos Aquarios begeben. Das Ambiente und die Dekoration war auch tatsächlich recht atemberaubend - vor allem die wehenden Segel aus Schwarzlichtstoffen und die namensgebenden beleuchteten Aquarien. Die Musikbühnen und DJs waren alle im freien, obwohl es leicht genieselt hat. Das hat aber auch keinen weiter gestört, heiss genug wars trotzdem. Die elektronische Musik stellte sich leider als Goa einerseits und Calderone-Remixe von diversen Hits heraus, aber die MPB- und Samba-Live-Band hat mir und den meisten anderen dafür richtig gut gefallen.

Die meisten anderen waren aber leider von den erwähnten Schulabschlussfahrten und entsprechend jung. Man konnte sie auch leicht daran erkennen, dass quasi alle sich an den Hippiebuden Schnüre ins Haar oder die Haare selbst flechten liessen und sich mit "lustigen" T-Shirts wie "Rettet die Hübschen - ertränkt die Hässlichen!" eingedeckt hatten. Ausserdem wurden sie von der Abschlussreisefirma mit allerhand grellgelbem Merchandising-Spielzeug ausgestattet, damit sie nicht verloren gehen.

Friday, October 27, 2006

Wie ein Fotojapaner

Ich hetze momentan von Ort zu Ort, um mein geplantes Programm noch durchzubringen, bevor ich an Allerheiligen nach Deutschland zurückfliegen muss. Dabei komm ich überhaupt nicht mehr zum Schreiben, darum folgt jetzt eine Kurzzusammenfassung:

Nach Itaúnas war ich in Caravelas, um unter anderem auf hoher See 16 Meter grosse Buckelwale zu sichten. Die haben sich aber leider tief im Ozean versteckt. Danach gings weiter nach Norden die Küste entlang, um in Porto Seguro im Bundesstaat Bahia zusammen mit zig brasilianischen Abschlussklassen Party auf einer Insel zu machen und den Ort der Landnahme der Portugiesen zu besichtigen. Daraufhin ein Flug nach Brasília, die minutiös geplante Millionenstadt im Nirgendwo und schliesslich lange Busfahrten ins Pantanal zum Krokodile, Anacondas und haufenweise ganz merkwürdige Tiere in freier Wildbahn aufzuspüren. Letzter Stop war Bonito, eine Stadt mit riesigen natürlichen Aquarien. Gerade bin ich auf dem Weg zu den Wasserfällen von Foz do Iguaçu und werde hoffentlich noch Zeit finden, die Erlebnisse in den einzelnen gerade zusammengefassten Orten genauer wiederzugeben.

Wednesday, October 18, 2006

Itaúnas

In direkter Nachbarschaft zu den gerade erwähnten Kilometern und Kilometern von Eukalyptus-Zinnsoldaten in Reih und Glied befindet sich der Nationalpark Itaúnas. Er ist einerseits Ziel für Alternativ- und Oekotouristen, andererseits ist der Ort auch eines der Zentren der schonmal erwähnten Forró-Parties. Die Urlaubsgäste reisen dafür aus allen Richtungen an, gehen nach dem Abendessen um sechs erstmal ins Bett, um bis Mitternacht zu schlafen. Danach ist dann Live-Musik und Tanzen bis in den Morgen. Leider bin ich montags dort angekommen, darum war ganz im Gegensatz zum Wochenende überhaupt nichts los, ich konnte also einen einsamen Strandurlaub in recht einzigartiger Umgebung dort verbringen. Der Strand liegt in einem geschützten Naturpark und das einzigartige daran ist, dass sich dahinter 40 Meter hohe Sanddünen angehäuft haben und direkt hinter den Dünen dichtester atlantischer Regenwald. Der ursprüngliche Fischerort Itaúnas wurde Stück für Stück von den Dünen überrollt, sodass die Einwohner ihn verlassen und auf der anderen Flussseite neu aufgebaut haben. Ruinen des alten Kirchturms ragen noch aus dem Sand hervor, was aber weniger spektakulär aussieht, als man es sich vorstellt.

Quilombos und die Firma Aracruz

Auf der Reise von Rio nach Itaúnas hab ich zwei Wissenschaftler der Uni Vitoria kennengelernt und einen Tag begleitet. Die beiden dokumentieren das Leben in einem der Quilombos der Region. Quilombos sind die traditionellen Siedlungsgemeinschaften von ehemaligen Sklaven. In dem von uns besuchten Quilombo leben um die zwanzig Familien auf einem winzigen Stück Land, eingepfercht durch riesige Eukalyptusbäume, die in Reih und Glied gepflanzt sind. Ursprünglich hatten sie natürlich mehr Land zur Verfügung, sodass sie von den angebauten Produkten wie Maniok leben konnten. Dann kam allerdings in den letzten Jahrzehnten die Firma Aracruz un sie tauschten ihr Land gegen leere Versprechungen von einem besseren Leben in der Stadt ein oder verloren es einfach durch widerrechtlich gesetzte Zäune.

Die Firma Aracruz schaffte es so, auf mehr als 75% der Region um São Mateus (gefühlten 99%) und 25% des ganzen Bundesstaates Espirito Santo in riesigen Monokulturen eine gezüchtete Eukalyptusart anzupflanzen, die in nur zwölf Jahren 30 Meter hoch wird. Dabei laugt sie den Boden unheimlich aus, sodass dort nichts anderes mehr wächst.

Die Quilombos der Region leben jetzt davon, die übrig bleibenden Zweige zu verkoken. Sie hängen damit völlig vom guten Willen der Firma ab, die dieses Druckmittel auch benutzt und ihnen z.B. verbietet, eine Dachorganisation zu gründen. Abgesehen davon sind die Eukalyptus-Monokulturen auch einfach ungemein hässlich, laugen den Boden aus und lösen durch ihre Omnipräsenz regelrechte Klaustrophobie aus. Da 99% der Zellulose-Produktion der Firma Aracruz nach Europa exportiert wird, um Taschentücher und Damenbinden herzustellen, gab es auch hier in Deutschland, z.B. vor dem Werk von Tempo in Neuss, schon Proteste.

Tuesday, October 17, 2006

Die andere Seite von Rio de Janeiro

Die andere Seite von Rio offenbart sich dem Besucher zunächst (hoffentlich) durch die vielen eingezäunten und bewachten Seitenstrassen und Wohnanlagen. Man könnte denken, dass die Stadt zur Hälfte aus US-Botschaften besteht. In Wirklichkeit besteht sie zur Hälfte aus Favelas - das sind Slums, die mitten in der Stadt an die steilen Berghänge gebaut wurden. Teilweise liegen sie direkt neben den Reit- und Yachtclubs der Superreichen.

In den meisten Favelas floriert die organisierte Kriminalität und es herrscht eine Art Krieg zwischen den einzelnen Banden und der Polizei. Die anderen Cariocas und die Touristen müssen dabei vor allem zwei Gruppen mit Vorsicht begegnen: den kleinen Jungs und der Polizei selbst. Die Schlagzeile, dass die Exekution eines verdächtig aussehenden, aber total unschuldigen Brasilianers in der Londoner U-Bahn nicht mal einen Prozess nach sich ziehen wird, weil kein Fehlverhalten vorlag, war der hiesigen Zeitung entsprechend auch nur eine Randnotiz wert.

Die erste Seite von Rio de Janeiro


Auf den ersten Blick ist Rio einfach die Traumstadt schlechthin. Es sind Dutzende traumhafte Stadtstrände in fast jedem Viertel und zu fast jeder Jahreszeit nutzbar. Erstaunlicherweise können diese auch noch mit unwirklich sauberem Wasser aufwarten. Ausserdem verläuft ein Gebirge quasi mitten durch die Stadt und es gibt zahlreiche schattige Naturparks.

Das Kulturangebot beinhaltet ernste europäische "Hochkultur", brasilianische Spasskultur in den unterschiedlichsten Formen und internationalen Flair überall. Es gibt sogar ein eigenes Stadtviertel (Lapa) für Clubs - mit dem Unterschied zu München, dass die Partys nicht etwa in alten Industriehallen stattfinden, sondern in noch älteren, mehrstöckigen Kolonialbauten mit Balkon und Stuckfassaden.

Mit den Cariocas (Rio-Bewohnern) kommt man ständig schon wegen Kleinigkeiten ins Gespräch und hat prompt neue Bekannte. Hier gibt es sogar einige Brasilianer, die Englisch sprechen können. Gearbeitet wird generell eher ungern, in Wochen mit einem Feiertag eigentlich gar nicht und Feiertage gibt es viele. Dafür suchen die Cariocas immer einen Weg, wie man eine Bitte oder einen Wunsch erfüllen kann. Wir durften dank einer freundlichen Torwache zB das von Oskar Niemeyer entworfene Viertel um den neuen Fährhafen besichtigen, obwohl es eigentlich noch eine Baustelle ist und der Zutritt untersagt ist.

Wednesday, October 11, 2006

Ein Pabst geht, ein Papst kommt

Meine zwei Monate auf der Fazenda sind inzwischen auch schon vorbei. Die restlichen drei Wochen werd ich das weltliche Brasilien erkunden und mich fern von Kirchen, Klöstern und Rosenkränzen halten. Mein Fast-Namensvetter Benedikt, der sechzehnte, wird mir aber folgen und die Fazenda von Pedrinhas im nächsten Mai besuchen. Dafür wird unter anderem gerade ein Hubschrauber-Landeplatz gebaut.

Der Papst kommt hierher als Abstecher von seinem Besuch des ungefähr eine Stunde entfernten Wallfahrtsortes Aparecida. Dieser Ort ist nicht zu vergleichen mit den europäischen Pilgerzielen wie Fàtima oder Lourdes. Er ist um ein vielfaches riesiger. Jedes Jahr strömen mehr als 8 Millionen Pilger nach Aparecida, was ihn zum mit Abstand grössten katholischen Wallfahrtsort der Welt macht. Die Basilika Nossa Senhora de Aparecida ist allerdings ein unansehliches Ziegelmonstrum, das nur aus der Ferne durch schiere Grösse beeindruckt.


Wenn die Pilger überzeugt sind, dass ihre Gebete von Maria erhört wurden, kommen sie wieder und bringen Devotionalien mit. Bei geheilten Gliedmassen bieten sich z.B. Wachsabdrücke selbiger an, die an der Decke aufgehängt werden. Auf welche Wohltaten sich die vielen echten und Spielzeug-Waffen beziehen, konnte ich nicht wirklich herausfinden. Vermutlich, dass jemand der Kriminalität den Rücken gekehrt hat.

Casa Sant' Afonso

Die einzelnen Häuser der Fazenda liegen recht weit auseinander (bis zu 40 Minuten). Der Erfolg der Rekuperation hängt darum stark vom jeweiligen Koordinator des Hauses ab. In meiner Heimstatt Casa Sant'Afonso hat Deivid das Sagen und der fährt zum Glück für alle ein relativ strenges Regiment. Es gibt meines Wissens nur einen im Haus, der es trotzdem immer wieder schafft, sich Marihuana zu organisieren, unter anderem auch mit einer Euromünze, die er von mir als Erinnerung haben wollte. Da sieht man, dass der Wert von Geld nur eine Frage kollektiven Vertrauens in die jeweilige Währung ist. Keine Institution in ganz Brasilien wird diese Euromünze umtauschen, aber solange alle an ihren Wert glauben, kann man damit vieles zahlen.



Unsere tägliche Arbeit ist unterschiedlich, sorgt aber immer für durchschwitzte Kleidung und guten Schlaf. Zur Zeit wird ein Graben für einen Wasserlauf ausgehoben, davor haben wir Eukalyptusbäume gefällt und aus den Stämmen stabile Pfosten für einen Weidezaun gemacht. Als Ausgleich zur anstrengen Arbeit bleibt noch genügend Zeit, um sich in einem der natürlichen Schwimmbecken von angestauten Bergbächen zu erfrischen. Zur Zeit ist das Wasser allerdings noch ziemlich frostig, schliesslich ist hier gerade erst Frühling.

Musikalisch

Ein Beitrag über Musik muss natürlich auch sein. Im brasilianischen Radio läuft aber leider nicht etwa Samba, sondern der gleiche unerträgliche Mist wie in Deutschland. Es gibt Stationen mit nationalem + internationalem Charthitprogramm und welche mit seichten brasilianischen Schmuseschlagern. Der abgebildeten Aufnahme aus der CD-Abteilung eines kleinen Einkaufszentrums gemäss dürfte von diesen Schlagern mindestens die Hälfte aus der Kehle eines gewissen Roberto Carlos ertönen.



Ich freu mich allerdings immer, wenn brasilianischer Reggae gespielt wird, der ist nämlich erstaunlich gut. Die brasilianischen Stücke jeglicher Musikrichtung werden im Radio erstaunlicherweise fast ausschliesslich als Live-Versionen mit euphorisch mitsingendem Publikum ausgestrahlt. Zwei absolute Reggae-Ohrwürmer sind die beiden folgenden:
  1. Filosofia Reggae - Leva a vibração
  2. Edu Ribeiro e Cativeiro - Me Namora
Zudem gibt es noch eine sehr populäre Volksmusik namens Forró , die von Akkordeonklängen dominiert wird und eine enorme Power ausstrahlt.

Thursday, October 05, 2006

Kulinarisch

Jeden Tag mittags und abends gibt es Reis und Bohnen. Auf dem Tisch steht auch immer Farinha, eine Art Sossenbinder-Mehl aus der Maniokwurzel. Dessen Geschmack muss man sich auf halber Strecke zwischen Parmesan und Saegespaenen vorstellen. Dazu manchmal Fleisch, manchmal Wurst, manchmal Nudeln, manchmal Gemuese (Spinat oder Kohl), manchmal Kartoffeln und manchmal alles das. Die einzelnen Sachen werden zwar in einzelnen Toepfen bereitgestellt, ich hab aber inzwischen auch die brasilianische Sitte des universalen Mischens adaptiert. Untergehoben werden dabei nicht nur alle angebotenen Hauptspeisen und Beilagen miteinander, sondern auch alles andere, was sich so auf dem Tisch findet, also auch Salat und Obst.

An besonderen Festtagen gibt es Feijoada. Das besteht auch aus Reis, Bohnen und Fleisch, dazu kommen aber auch noch einige "Leckereien" wie Schweineohren, Rindermagen etc. - Einmal sollte mans probiert haben. Mir hat dieses eine Mal gereicht.

Essentielles Strassenportugiesisch

Die wichtigsten Umgangsformen lernt man schon in den ersten Tagen. Sie unterscheiden sich doch etwas von den durch Unterricht und Sprachführer gelernten.

Begrüssung:
  • gelernt: bom dia, boa tarde, boa noite (je nach Tageszeit)
  • wirklich: ey, vasilão! (sei gegrüsst, der du die ganze Zeit nur Scheisse laberst) - trabalhar, vagabundo! (fang an zu arbeiten, du penner) - pica-cruz! (fauler Sack)

Nicht, dass jetzt ein falscher Eindruck entsteht: Das ist natürlich alles nicht so 100%ig ernstzunehmen, schon allein, weil es auf jeden angewendet wird. Die Brasilianer sind im Gegenteil sogar erstaunt, dass ich als Deutscher richtig mitarbeite. Das war bei früheren Besuchern wohl anders.

Verabschiedung:

  • gelernt: tchau! - adeus!
  • wirklich: falou, alemão! (wortwoertlich waere das: der Deutsche hat gesprochen) - valeu, Andreas! (wortwoertlich waere das: hat sich gelohnt, Andreas)

Sunday, October 01, 2006

Etwas Info über die Fazenda

Die erste Fazenda da Esperança wurde 1979 von einem deutschen Missionar gegründet. Inzwischen gibt es allein in Brasilien mehr als 40 davon, ausserdem einen woechentlichen Sendeplatz im nationalen Fernsehprogramm und der Bekanntheitsgrad des Gründers (Frei Hans) erreicht beinahe den des Präsidenten.

Obwohl die Rekuperanden gar nichts für ihren Aufenthalt bezahlen muss und der Staat auch nur um die hundert Euro pro Person zuschiesst, sind alle Fazendas wirtschaftlich mehr oder weniger rentabel, zumindest aber in der Lage, die laufenden Kosten zu decken. Das liegt zum einen daran, dass fast alle Verantwortlichen entweder freiwillige Ex-Rekuperanden oder Moenche sind. Sie erhalten keinen Cent Gehalt für ihre Arbeit. Zweitens wird ein Grossteil der benoetigten Produkte (Milch, Fleisch, Gemüse, Brot, Betten, Putzmittel) selbst hergestellt. Und schliesslich werden die Grundstücke für die Fazendas von anderen kirchlichen Organisationen oder Grossgrundbesitzern mit schlechtem Gewissen umsonst zur Verfügung gestellt. sowie die Anlaufkosten über weitere Spenden finanziert.

Auf diese Weise hält sich diese Gesellschaft von temporären Aussteigern am Leben und kann sogar immer weiter wachsen, solange unsere moderne Welt sie mit "schwachen", aus dem Raster gefallenen Personen versorgt. Ohje, das klingt jetzt aber pathetisch. Auf die Fotos müsst ihr leider noch ein wenig warten, dazu fehlen mir hier gerade die technischen Moeglichkeiten.

Hunderte Namen und eine einfache Loesung

Wenn um die hundert Leute zusammen sind und dabei ein ständiges Kommen und Gehen vorherrscht, kann sich kein Mensch alle Namen merken. Verschärft wird die Situation noch dadurch, dass eh jeder zweite hier Luis oder Marcio heisst, man also eigentlich noch die zweiten Vornamen braucht. Die Brasilianer verwenden darum auch selten die wirklichen Namen, sondern sprechen die anderen grundsätzlich mit dem Namen der jeweiligen Herkunftsregion oder -stadt (carioca -> Rio, paulista -> São Paulo, mineiro -> Minas Gerais etc.), bei Ausländern reicht der Landesname schon aus (alemão, paraguayo, argentino). Noch einfacher wirds, wenn sich jemand schon vom Aussehen her stark unterscheidet, z.B. lange, blonde Haare hat, besonders gross ist oder behindert. Der heisst dann einfach "differente".