brasilandhi

Monday, November 06, 2006

Ende der Reise - Ende des Blogs

Vor kurzem musste ich Brasilien dann auch schon den Rücken zukehren und damit endet nun auch dieser Blog. Losgeflogen bin ich aus Sao Paulo bei frühsommerlichen 30 Grad und als ich in München angekommen bin, lag schon der erste Schnee. Brrrr. Aber so ganz ohne unsommerliche Jahreszeiten, ohne den rotbunten Herbst, den hellgrünen Frühling und den winterlichen Schnee möchte ich doch nicht leben.

Vielen Dank an euch fürs Mitlesen und Kommentieren. Dass ich doch nicht ganz so häufig zum Schreiben gekommen bin, wie ich dachte, lag nicht an fehlendem Antrieb, sondern einfach an der drängenden Zeit und teilweise der fehlenden Infrastruktur. Wenn jemand selbiges über seine nächste Reise machen will, ich kann es nur empfehlen. Die Seiten von blogger.com laden sogar auf langsamen PCs sehr schnell, man kann Entwürfe speichern, wenn man grade nur wenig Zeit hat und der Bilderupload ist auch denkbar einfach - man sollte sich nur einen USB-Adapter für die jeweilige Speicherkarte besorgen.

Jetzt geh ich wieder profanen Tätigkeiten nach und gestalte meine Idee des digitalen DJing ohne Monitor und Tastatur aus: timbap digital DJing

Pantanal und der unwirklichste Ort Bonito

Nach Brasília gings mit einer einen ganzen Tag dauernden Busfahrt weiter in die attraktivste Naturtourismusregion Brasiliens - das Pantanal. Da hab ich mich einer Reisegruppe von zwei Iren (es ist augenscheinlich keine Saison) angeschlossen und wir haben drei Tage auf einer völlig abgelegenen Ranch in der Nähe von Corumbá verbracht. Der Guide hat mit uns einige Touren durch die Wildnis unternommen, um die merkwürdigen Tiere (Tuiuiu, Capibara, Jacaré, Quati, Tatu, Anakonda, ...) aus der Nähe zu beobachten. Wir konnten auch mit einfachsten Mitteln Piranhas angeln, da die Flüsse wirklich übervoll mit denen sind. Danach haben wir den Fang gegrillt (wirklich lecker!). Das Pantanal ist ein Gebiet so groß wie Deutschland, das jedes Jahr in der Regenzeit bis auf einige Inseln und Stege komplett überflutet wird, darum ist es bisher im Gegensatz zur Amazonas-Region vom brasilianischen Raubbau verschont geblieben.

Nicht weit weg (in brasilianischen Maßstäben) befindet sich der so ungefähr unwirklichste Ort der Welt. Er heißt Bonito, was "schön" bedeutet. Das besondere an dieser eigentlich eher häßlichen Stadt sind die zahlreichen Flüsse, die um sie herum fließen. Sie entspringen im Gebirge und sind extrem reich an Calciumbicarbonat und Magnesiumbicarbonat. Ihr Wasser sollte man möglichst nicht schlucken, denn es wirkt wie ein Abführmittel. Allerdings ist es sehr schön anzuschauen, denn die Bicarbonate lassen alle Schwebstoffe zu Boden sinken und die Flüsse werden dadurch kristallklar. Da sich auch massig Fische darin befinden, sehen sie aus wie riesige Aquarien. Solange man wie gesagt das Wasser nicht schluckt, kann man auch zusammen mit den Fischschwärmen darin schwimmen und schnorcheln.


Wer jemals nach Südamerika will, sollte sich den Ort auf jeden Fall auf der Landkarte markieren. Wer nicht so weit fahren will, kann dasselbe Phänomen auch in Kroatien an den Plitvicer Seen erleben, allerdings scheinen mir die Fische da kleiner und weniger zahlreich zu sein.

Die grossen Sprachvereinfacher

Brasilianisch ist eine Art vereinfachtes Portugiesisch, das immer mehr zu einer grammatikalischen Strukturlosigkeit erodiert wie es sie im modernen Englisch gibt. Am deutlichsten merkt man das an den vielen wegfallenden Konjugationsformen:
  • 2.Person Sing. (du) + Plural (ihr): ist sogar offiziell gestrichen. Man verwendet stattdessen die jeweilige 3.Person mit den speziellen Pronomen você(s) bzw. höflicher o(s) senhor(es) / a(s) senhora(s) und sagt quasi: "Hat er (bzw. höflicher: der Herr) schon gegessen?"
  • 3.Person Plural (sie): Da zusätzlich die Pluralbildung in der Umgangssprache nur im Pronomen (der, die, das, einer, eine usw.) gemacht wird und das Hauptwort, evtl. zugeordnete Adjektive sowie das Verb im Singular verbleiben, fällt die 3.Person Plural auch weg.
  • 1.Person Plural (wir): Mit einem Trick spart man sich auch noch diese Form, denn statt "wir sind angekommen" sagen die Brasilianer "man (= a gente) ist angekommen" - allerdings soweit ich beobachtet habe, nur wenn man mit jemandem spricht, der nicht zur angekommenen Gruppe gehört.
Bleibt also eigentlich nur die Ich-Form (1.Person Singular) und alles andere wird in die 3.Person Singular konjugiert. Englisch ist da auch nicht mehr einfacher.

Wednesday, November 01, 2006

Wir fahren Omnibus

Das Omnibussystem funktioniert recht reibungslos in Brasilien, obwohl oder gerade weil es nur regionale Privatunternehmen sind. Manche Busbahnhöfe (z.B. Rio) gleichen kleinen Flughäfen mit separaten Ankunfts- und Abfahrtszonen und gut abgeschotteten Gates für die einzelnen Einstiege. Die Qualität der interregionalen Strassen variiert allerdings. Autobahnähnliche Verbindungen gibt es eigentlich nur um Rio und São Paulo herum. Am unteren Ende der Skala muss man sich mancherorts auch mit Hunderte Kilometer langen Feldwegen begnügen.

Dank der enormen Größe des Landes werde ich am Ende meiner 23-tägigen Rundreise fast fünf ganze Tage (~20% der Zeit) im Bus verbracht haben. Ich war zwar so schlau, die meisten Fahrten in die Nacht zu legen. Um da dann aber auch schlafen zu können, muss man schon eine gute, kraterfreie Strasse erwischen. Ich hatte die schlechtesten Strassen glücklicherweise untertags. Zweimal war dafür der Bus kaputt - beide Male die Radaufhängung / -federung, was nicht wirklich verwunderlich ist.