brasilandhi

Wednesday, October 18, 2006

Quilombos und die Firma Aracruz

Auf der Reise von Rio nach Itaúnas hab ich zwei Wissenschaftler der Uni Vitoria kennengelernt und einen Tag begleitet. Die beiden dokumentieren das Leben in einem der Quilombos der Region. Quilombos sind die traditionellen Siedlungsgemeinschaften von ehemaligen Sklaven. In dem von uns besuchten Quilombo leben um die zwanzig Familien auf einem winzigen Stück Land, eingepfercht durch riesige Eukalyptusbäume, die in Reih und Glied gepflanzt sind. Ursprünglich hatten sie natürlich mehr Land zur Verfügung, sodass sie von den angebauten Produkten wie Maniok leben konnten. Dann kam allerdings in den letzten Jahrzehnten die Firma Aracruz un sie tauschten ihr Land gegen leere Versprechungen von einem besseren Leben in der Stadt ein oder verloren es einfach durch widerrechtlich gesetzte Zäune.

Die Firma Aracruz schaffte es so, auf mehr als 75% der Region um São Mateus (gefühlten 99%) und 25% des ganzen Bundesstaates Espirito Santo in riesigen Monokulturen eine gezüchtete Eukalyptusart anzupflanzen, die in nur zwölf Jahren 30 Meter hoch wird. Dabei laugt sie den Boden unheimlich aus, sodass dort nichts anderes mehr wächst.

Die Quilombos der Region leben jetzt davon, die übrig bleibenden Zweige zu verkoken. Sie hängen damit völlig vom guten Willen der Firma ab, die dieses Druckmittel auch benutzt und ihnen z.B. verbietet, eine Dachorganisation zu gründen. Abgesehen davon sind die Eukalyptus-Monokulturen auch einfach ungemein hässlich, laugen den Boden aus und lösen durch ihre Omnipräsenz regelrechte Klaustrophobie aus. Da 99% der Zellulose-Produktion der Firma Aracruz nach Europa exportiert wird, um Taschentücher und Damenbinden herzustellen, gab es auch hier in Deutschland, z.B. vor dem Werk von Tempo in Neuss, schon Proteste.

1 Comments:

Blogger andhi said...

Skabba zurueck,

ueber die Sprache gibts noch mehr Merkwuerdigkeiten zu berichten. Und Feijoada ist auf jeden Fall deftig, noch deftiger ist die bahianische Kueche - da wird den Touristen geraten, manche Gerichte lieber nicht zu probieren, da der europaeische Magen mit so viel Fett nicht klarkommt. Ich hab mich dann auch nicht getraut, weil ich ja staendig auf der Durchreise bin und darum lieber auf Magendarmverstimmungen verzichten will. Freu mich schon auf Gustav.

Falou,
Andi

10:30 AM  

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